Ausgangslage – eine neue Dimension im Ladungsdiebstahl
Der Ladungsdiebstahl hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Während früher vor allem physische Einbrüche oder Überfälle im Fokus standen, verlagert sich das Risiko zunehmend in den digitalen Raum. Besonders auffällig ist der Anstieg sogenannter Phantom-Frachtführer oder Fake Carrier.
Dabei handelt es sich nicht um klassische Diebe, sondern um professionell organisierte Tätergruppen, die sich als legitime Transportunternehmen ausgeben. Sie erschleichen Transportaufträge, übernehmen die Ware offiziell und verschwinden anschließend spurlos.
Einige Daten und Fakten[1]:
- 88 Fälle von Phantom-Frachtführern wurden allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2025 registriert – genauso viele wie im gesamten Jahr 2024.
- Die durchschnittliche Schadenhöhe pro Fall stieg von etwa 000 € auf fast 200.000 €.
- Rein rechnerisch verschwindet alle drei Tage eine komplette Lkw-Ladung in Deutschland durch Betrug.
- Jährlich werden nach Schätzung fast 26.000 Lkw-Ladungen gestohlen, mit direkten Warenwertschäden von rund 1,3 Mrd. €
Diese Entwicklung zeigt: Es handelt sich nicht mehr um vereinzelte Betrugsfälle, sondern um ein strukturelles Risiko im modernen Transportumfeld.
Wie die Betrugsmasche funktioniert
Phantom-Frachtführer nutzen digitale Schwachstellen moderner Transportprozesse:
- Frachtbörsen als Einfallstor:
Täter identifizieren lukrative Aufträge auf digitalen Plattformen und kontaktieren Auftraggeber direkt, oft außerhalb der Plattform. - Identitätsverschleierung:
Sie geben sich als echte Frachtführer aus, oft unter Verwendung realer Unternehmensnamen, die leicht modifizierte E-Mail-Domains oder gefälschte Versicherungsnachweise verwenden. - Täuschend echte Dokumente:
Manipulierte oder gefälschte Versicherungszertifikate, Handelsregisterauszüge und Kontaktinformationen verleiten Disponenten zur schnellen Auftragserteilung. - Warenausgabe und Flucht:
Sobald die Ware übergeben ist, fährt der „Frachtführer“ ab und ist anschließend nicht mehr erreichbar. Die Güter werden nicht an den Empfänger geliefert.
Die Vorgehensweise deutet auf klar strukturierte, organisierte Tätergruppen hin, die digitale Prozesse gezielt ausnutzen.
Beispiel: Hochwertige Elektronikware „verschwindet“
Ein mittelständischer Versender hat eine internationale Lieferung hochwertiger Elektronikkomponenten beauftragt. Die Disposition vergibt den Auftrag kurzfristig aufgrund eines vermeintlich günstigen Angebots, das über ein externes Frachtenportal hereinkommt. Dokumente und Versicherungsnachweise wirken authentisch. Sobald der transportierende Lkw mit Kennzeichen und Fahrer vorfährt, wird die Ware entgegengenommen. Doch der „Frachtführer“ liefert nie aus.
Schaden:
- Warenwert: ca. 000 €
- Keine Spur von Transporteur oder Ware
- Polizei ermittelt, Ermittlungen dauern an
- Konflikte mit Versicherern über Obliegenheitspflichten
Auswirkung auf Versicherungsschutz und Schadenabwicklung
Aus Sicht von Versicherern treten in diesen Fällen mehrere Problemfelder auf:
- Obliegenheitsverletzungen beim Versicherungsnehmer
- Wurde ausreichend geprüft, ob der Carrier tatsächlich existiert?
- Wurden Identitätsnachweise und Firmenunterlagen verifiziert?
- Wurden Sorgfaltspflichten in der Auswahl des Frachtführers eingehalten?
Diese Fragen stehen häufig im Zentrum von Diskussionen zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer.
- Versicherungsbedingungen und Deckungsausschlüsse
- Bestimmte Transport- oder Haftpflichtverträge enthalten Ausschlüsse, wenn grob fahrlässig gehandelt wurde (z. B. mangelnde Überprüfung der Auftragspartner).
- Versicherer planen laut aktueller Branchenpresse Änderungen an Musterbedingungen, um Risiken spezifischer zu adressieren.
- Folgeschäden und Betriebsausfall
- Neben dem reinen Warenwert entstehen zusätzliche indirekte Schäden: Produktionsstillstand, Vertragsstrafen, Kundenverlust, Folgeschäden durch Ausfallketten.
Prävention: Konkrete Tipps und Handlungsempfehlungen
GDV und Branchenexperten empfehlen, schon bei der Anbahnung des Transportauftrags Konsequenzen zu setzen:
Ein wirksames Präventionssystem umfasst insbesondere:
- Identitätsverifikation:
- Handelsregisterauszüge prüfen
- Telefonischer Rückruf auf offiziell recherchierte Nummern
- Domain-Check der E-Mail-Adressen
- Hintergrund- und Bonitätsprüfungen
- Vertragliche Sicherheiten:
- Versicherungsnachweise direkt beim Versicherer verifizieren
- Referenzen von bestehenden Kunden einholen
- Interne Prozesse:
- Standardisierte Freigabeprozesse für neue Frachtführer
- Schulungen für Disponenten zu Täuschungsmustern
- Keine alleinige Kommunikation über Mobiltelefone oder externe Mailplattformen
Erst durch diese Kombination aus Prozesssicherheit und Versicherungsschutz entsteht belastbare Risikokontrolle.
Die entscheidende Rolle der Versicherungswirtschaft
Versicherer und Versicherungsvermittler haben einige Hebel, um einen entscheidenden Unterschied zu machen. Hierzu zählen die folgenden Themengebiete:
- Risikoanalyse & Prozessdiagnose: Durchführung einer strukturierten Analyse der internen Abläufe.
- Implementierung eines Carrier-Verifizierungsprozesses, bspw. durch Nutzung einer Verifizierungscheckliste vor Auftragvergabe und eines Spediteur-Freigabeprozesses.
- Versicherungsoptimierung: Ziel ist es für einen möglichen Schadenfall klare Voraussetzungen zu schaffen, die die Beurteilung des Schadenereignisses eindeutig machen. So können Diskussionen über Obliegenheitsverletzungen oder den Zeitpunkt des Gefahrenübergangs vermieden werden. Hierzu können folgende Punkte helfen:
- Aufnahme einer All-Risk-Deckung inklusive Betrugsszenarien
- Konkret formulierte Obliegenheit zur Auftraggeber-Prüfung
- Dokumentationsanforderungen als Vertragsbestandteil
- Schulungen und Awareness: Schulungen in Form von Workshops, die das Bewusstsein im operativen Bereich für mögliche Täuschungsanzeichen deutlich steigern.
Fazit:
Phantom-Frachtführer sind heute kein Randphänomen mehr, sondern ein signifikantes, wachsendes Risiko in Transportketten mit hohen durchschnittlichen Schäden. Die Kombination aus digitalen Frachtenbörsen, manipulierten Identitäten und professioneller Täuschung stellt Unternehmen und Versicherer gleichermaßen vor Herausforderungen.
Genau an dieser Schnittstelle zwischen operativem Risiko, versicherungsrechtlicher Bewertung und präventiver Prozessgestaltung setzt Breffka & Hehnke GmbH & Co. KG an.
Wer ist Breffka & Hehnke GmbH & Co. KG?
Breffka & Hehnke GmbH & Co. KG (B&H oder Breffka & Hehnke), ein unabhängiger und familiengeführter Managing General Agent (MGA) mit über 100 Jahren Erfahrung, positioniert sich seit Anfang 2025 als spezialisierter Partner für Versicherungsmakler im Bereich der Transportversicherung. Das Unternehmen kombiniert fachliches Know-how mit umfassenden Zeichnungsvollmachten und bietet Maklern sofort zugängliche, maßgeschneiderte Lösungen für anspruchsvolle nationale und internationale Transportrisiken.
Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Webseite: https://www.breffka-hehnke.de/makler
[1] Quelle: GDV.

